© 1999
François Bry
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bedarf der Erlaubnis des Autors.
Die Folgerungsbeziehung und andere semantische Begriffe sind mit
den bisherigen Definitionen zwar formal präzise
charakterisiert, aber auf eine Art, die keine Grundlage für
eine algorithmische Behandlung bietet. Betrachten wir zum Beispiel
die Frage, ob zwischen zwei
-Formeln
F und G die Folgerungsbeziehung besteht. Nach Definition besteht sie genau
dann, wenn jede Interpretation, die F erfüllt, auch G
erfüllt. Eine Interpretation wiederum basiert auf
einer beliebigen nichtleeren Menge als Universum. Es gibt also
mindestens so viele Interpretationen wie es Mengen gibt, und
für jede davon wäre zu überprüfen, ob sie, wenn
sie F erfüllt, auch G erfüllt. Darauf
lässt sich kein Algorithmus aufbauen.
Damit liegt die Frage nahe, ob man vielleicht gewisse ,,Referenzinterpretationen`` auszeichnen kann, so dass man zum Nachweis der Folgerungsbeziehung die genannte Überprüfung nicht für jede überhaupt mögliche Interpretation durchführen muss, sondern nur für diese Referenzinterpretationen. Das wäre ein wichtiger Zwischenschritt in Richtung Algorithmisierung.
Tatsächlich haben wir im Zusammenhang mit der Gleichheit
bereits etwas ähnliches kennengelernt. In
Satz 3.6.6 wurde die
Folgerungsbeziehung
ja auf die Beziehung
zurückgeführt. Wenn die Gleichheitsaxiome
beteiligt sind, braucht man zum Nachweis der Folgerungsbeziehung
die Überprüfung also nicht für sämtliche
Interpretationen durchzuführen, sondern kann sich auf die
normalen Interpretationen beschränken.
Natürlich nützt die Beschränkung auf normale Interpretationen nicht viel im Hinblick auf die Algorithmisierbarkeit, da ja auch die normalen Interpretationen jede beliebige nichtleere Menge als Universum benutzen können, doch zeigt das Ergebnis immerhin, dass die Idee der Referenzinterpretationen nicht von vornherein aussichtslos ist. Die angestrebten Referenzinterpretationen sollten aber in erster Linie bewirken, dass weniger Universen betrachtet werden müssen.
Genau das ist für Herbrand-Interpretationen der Fall. Alle Herbrand-Interpretationen basieren auf einem einzigen ausgezeichneten Universum, dem sogenannten Herbrand-Universum.
Wenn die beteiligten Formeln eine bestimmte syntaktische Eigenschaft haben, nämlich universell sind, reicht es tatsächlich aus, zum Nachweis der Folgerungsbeziehung die Überprüfung nur für Herbrand-Interpretationen durchzuführen statt für sämtliche Interpretationen. Zudem können Formeln, die nicht universell sind, mit Hilfe der Skolemisierung in universelle Formeln transformiert werden, die in einem gewissen Sinn äquivalent zu den ursprünglichen Formeln sind. Insgesamt wird das angestrebte Ziel damit für alle Formeln erreicht.
Im folgenden werden wir zunächst universelle Formeln behandeln, danach Herbrand-Interpretationen und schließlich die Skolemisierung.
Eigenschaften von Formeln der Prädikatenlogik erster Stufe,
insbesondere im Zusammenhang mit Herbrand-Interpretationen,
hängen oft davon ab, welche Quantoren in den Formeln vorkommen
und wo sie relativ zu Negationsjunktoren stehen. Sei zum Beispiel
F die Formel ¬(∃x p(x)∨¬∀y q(y)). Es gilt:
| F | = | ¬(∃x p(x)∨¬∀y q(y)) | |
| (¬∃x p(x)∧¬¬∀y q(y)) | de Morgan'sche Regel (Satz 3.3.7) | ||
| (¬∃x p(x)∧∀y q(y)) | Regel der doppelten Negation(3.3.7) | ||
| (∀x ¬p(x)∧∀y q(y)) | Regel der negierten Quantoren(3.5.13) |
Dieses ,,eigentlich`` wird durch die sogenannte Polarität formalisiert. Die Teilformel ∃x p(x) hat negative Polarität in F, weil die Teilformel in F im Bereich einer Negation steht. Die Teilformel ∀y q(y) hat dagegen positive Polarität in F, weil sie im Bereich von zwei Negationen steht, die einander ja aufheben. Existenzquantoren mit negativer Polarität in einer Formel wirken wie Allquantoren mit positiver Polarität.
Statt ,,G hat positive Polarität in F`` sagt
man auch ,,G kommt positiv in F vor`` oder kürzer
,,G ist positiv in F``, und
entsprechend für negativ. Die Definition
ist der Übersichtlichkeit halber mit der kürzesten
Sprechweise formuliert.
In diesem Fall sprechen wir auch von der Polarität des Vorkommens des Quantors Q und meinen damit die Polarität des Vorkommens G der Teilformel, die mit Q beginnt.
Für Informatiker ist diese Definition am einfachsten dadurch zu veranschaulichen, dass sie sich die Formel F durch ihren Syntaxbaum dargestellt denken, also einen Baum, dessen Blätter die Vorkommen von atomaren Teilformeln von F sind und dessen innere Knoten mit Junktoren und Quantoren beschriftet sind. Die Wurzel dieses Baums wird wegen 1. als positiv markiert. Der Rest der Definition gibt an, wie das Vorzeichen auf alle Nachfolgerknoten bis hin zu den Blättern propagiert wird.
Bei dieser Propagation wechselt das Vorzeichen bei jedem Negationsjunktor. Sei zum Beispiel F die Formel ¬¬¬p, dann haben ¬¬¬p und ¬p positive Polarität in F, während ¬¬p und p negative Polarität in F haben. Die Polarität eines Vorkommens einer Teilformel drückt aus, ob dieses Vorkommen im Bereich einer geraden oder einer ungeraden Anzahl von Negationen steht, ob diese Negationen einander also aufheben oder nicht.
Das Vorzeichen wechselt außerdem auf der linken Seite des
Implikationsjunktors ⇒. Nach Satz 3.5.13 und
Satz 3.3.7 gilt
(G1⇒G2)
(¬G1∨G2).
Die linke Teilformel G1 steht also ,,eigentlich`` im Bereich einer impliziten Negation, die bei der Definition der Polarität mit berücksichtigt
wird.
Ist F eine Formel, in der der Äquivalenzjunktor ⇔ nicht auftritt, so ist jedes Vorkommen einer Teilformel von F eindeutig als ein Vorkommen positiver oder negativer Polarität klassifiziert.
Dagegen haben alle Teilformeln, die im Syntaxbaum unterhalb
eines Äquivalenzjunktors vorkommen, sowohl positive als auch
negative Polarität. Die Begründung dafür liefert die
Regel zur Auflösung des Äquivalenzjunktors nach
Satz 3.5.13 und
Satz 3.3.7:
(G1⇔G2)
((¬G1∨G2)∧(G1∨¬G2)).
Jede der beiden unmittelbaren Teilformeln von (G1⇔G2) kommt also
,,eigentlich`` einmal negiert und einmal unnegiert vor. Das gleiche
gilt mit der zweiten Regel (G1⇔G2)
((G1∧G2)∨(¬G1∧¬G2)).
Tritt eine Teilformel mehrfach in einer Formel auf, so können verschiedene Vorkommen der Teilformel unterschiedliche Polaritäten haben. Ist zum Beispiel F die Formel (p ∨ ¬p), hat das erste Vorkommen von p positive Polarität in F und das zweite negative.
Sei F' die Formel, die durch Streichen aller Vorkommen Qixi aus F entsteht. Zu jedem der Qi sei Q'i der gleiche Quantor wie Qi, falls Qi positive Polarität in F hat, und der entgegengesetzte Quantor, falls Qi negative Polarität in F hat.
Dann gilt F
Q'1x1...Q'nxn F'.
Beispiel:
Für F=¬(∃x1 p(x1)∨ ¬∀x2 q(x2))
ist F'=¬(p(x1)∨ ¬q(x2)), und es gilt
F
∀x1∀x2¬(p(x1)∨ ¬q(x2)).
Induktionsbasis n=0: Dann ist F=F' und die Behauptung gilt.
Induktionsschritt n→n+1: Die Behauptung gelte für Formeln mit n Vorkommen von Quantoren. Seien Q1x1 Q2x2...Qn+1xn+1 die Vorkommen von Quantoren mit ihren Variablen in textueller Reihenfolge in F. Davon ist Q1x1 also das textuell erste Vorkommen.
Für beliebige Formeln G und H, wo die
Variable x1 nicht in H vorkommt, gelten
folgende logische Äquivalenzen:
| ¬∀x1G | ∃x1¬G | |
| (∀x1G∧H) | ∀x1(G∧H) | |
| (∀x1G∨H) | ∀x1(G∨H) | |
| (∀x1G⇒H) | ∃x1(G⇒H) | |
| (H∧ ∀x1G) | ∀x1(H∧G) | |
| (H∨ ∀x1G) | ∀x1(H∨G) | |
| (H⇒ ∀x1G) | ∀x1(H⇒G) |
| ¬∃x1G | ∀x1¬G | |
| (∃x1G∧H) | ∃x1(G∧H) | |
| (∃x1G∨H) | ∃x1(G∨H) | |
| (∃x1G⇒H) | ∀x1(G⇒H) | |
| (H∧ ∃x1G) | ∃x1(H∧G) | |
| (H∨ ∃x1G) | ∃x1(H∨G) | |
| (H⇒ ∃x1G) | ∃x1(H⇒G) |
Hat eine Teilformel von F eine der Gestalten auf der linken Seite von
in
dieser Liste, ist sichergestellt, dass die Variable nicht in der
jeweiligen Teilformel H vorkommt, weil die quantifizierten Variablen von
F paarweise verschieden sind und außerdem nicht frei in F vorkommen.
Wenn das erste Quantorvorkommen Q1x1
nicht am Anfang von F steht, gibt es ein Vorkommen einer Teilformel von
F, das eine der Gestalten auf der linken Seite von
in
dieser Liste hat (nach Voraussetzung kommt Q1x1
nicht in einer mit ⇔ gebildeten Teilformel vor). Aufgrund des Ersetzungssatzes
(Satz 3.5.13 und
Satz 3.3.6)
können wir dieses Vorkommen durch die entsprechende Formel auf
der rechten Seite von
ersetzen und erhalten mit diesem Ersetzungsschritt eine zu F logisch äquivalente Formel.
Dieser Ersetzungsschritt verschiebt das erste Quantorvorkommen Q1x1 nach links, so dass es weiterhin das erste bleibt, wobei sich möglicherweise der Quantor ändert. Ansonsten bleibt aber die Struktur der Formel unverändert.
Durch Wiederholung derartiger Ersetzungsschritte erhalten wir
eine Formel Q'1x1 F1 mit
F
Q'1x1 F1,
wobei F1 durch Streichen von Q1x1 aus F entsteht.
Ein Vergleich der obigen Liste mit Definition 3.8.1 zeigt, dass sich beim Verschieben nach links der Quantor genau in den Fällen ändert, in denen sich auch die Polarität des Quantors ändert. Q'1 hat positive Polarität in Q'1x1 F1, also ist Q'1 der gleiche Quantor wie Q1, falls Q1 positive Polarität in F hat, und der entgegengesetzte Quantor, falls Q1 negative Polarität in F hat.
Nun ist F1 eine Formel
mit n Quantorvorkommen Q2x2...Qn+1xn+1
in dieser textuellen Reihenfolge, die die gleichen
Voraussetzungen erfüllt wie F. Nach Induktionsannahme gilt
F
Q'2x2...Q'n+1xn+1 F'1
mit den geforderten Eigenschaften. Insbesondere ist F'1=F'. Mit
F
Q'1x1 F1
gilt F
Q'1x1 Q'2x2...Q'n+1xn+1 F'
mit allen geforderten Eigenschaften.
Wegen der Regel zur Auflösung des Äquivalenzjunktors
(Satz 3.5.13 und
Satz 3.3.7) ist jede
geschlossene
-Formel
logisch äquivalent zu einer geschlossenen
-Formel,
in der der Äquivalenzjunktor ⇔ nicht vorkommt. Mit den Variablenumbenennungsregeln
(Satz 3.5.13) kann
außerdem stets erreicht werden, dass die quantifizierten
Variablen in einer Formel paarweise verschieden und verschieden von
den Variablen sind, die frei in der Formel vorkommen. Insgesamt
erhalten wir damit:
Aus der Definition der Polarität ergibt sich unmittelbar, dass eine Formel, die einen Quantor in einer mit ⇔ gebildeten Teilformel enthält, nicht universell sein kann.
Wenn Herbrand-Interpretationen, wie in der Einleitung erläutert, auf einem ausgezeichneten Universum basieren, stellt sich die Frage, woraus so ein ausgezeichnetes Universum überhaupt bestehen kann. Da es stellvertretend für alle denkbaren Universen stehen soll, müsste es ,,Universal`` enthalten in dem Sinn, dass Objekte jeglicher anderer Universen damit repräsentiert werden können. Ob es so ein ,,Universaluniversum`` überhaupt gibt, erscheint auf den ersten Blick äußerst fraglich.
Bei näherer Betrachtung sind uns solche ,,Universalobjekte`` aber längst wohlvertraut. Wir benutzen doch ständig die syntaktischen Terme einer Sprache der Prädikatenlogik erster Stufe, um damit die Objekte beliebiger Universen zu repräsentieren. Mit anderen Worten, die Menge aller Terme, oder vielleicht die Menge gewisser Terme, einer Sprache der Prädikatenlogik erster Stufe wäre doch ein naheliegender Kandidat für das angestrebte ausgezeichnete Universum.
Dieser Gedanke kann natürlich Verwirrung stiften. Bisher haben wir Syntax und Semantik sorgfältig auseinandergehalten. Wenn die Grundlage aller semantischen Begriffe, das Universum, jetzt aus Termen bestehen soll, also aus syntaktischen Elementen, ist eine gewisse Vermischung von Syntax und Semantik unvermeidlich. Diese begriffliche Verwirrung ist sicherlich ein Nachteil des Ansatzes.
Andererseits kennen wir aus der Informatik analoge Fälle von scheinbarer begrifflicher Verwirrung, die sich als äußerst vorteilhaft erweisen. Zum Beispiel muss man bei einem Übersetzer Quellsprache, Zielsprache und Implementierungssprache sorgfältig auseinanderhalten. Wenn man dann Übersetzer betrachtet, deren Implementierungssprache gleich ihrer Quellsprache ist, wirkt dies zunächst verwirrend oder sogar unsinnig. Dabei stellt sich aber heraus, dass solche Übersetzer sogar besonders nützliche Eigenschaften haben. In ähnlicher Weise erweist sich die Vermischung von Syntax und Semantik in der Logik als nützlich.
Zur Realisierung des Ansatzes bleibt noch zu klären, ob das ausgezeichnete Universum aus allen Termen der Sprache bestehen soll oder nur aus bestimmten Termen. Diese Entscheidung führt zu technischen Unterschieden, aber keinen prinzipiellen. Herbrand-Interpretationen benutzen als Universum die Menge aller Grundterme, also der variablenfreien Terme.
Das Herbrand-Universum einer Sprache
der Prädikatenlogik erster Stufe ist die Menge aller
Grundterme der Sprache. Wir erinnern an eine Voraussetzung in der
Definition von
(Definition 2.3.1): ,,Es wird vorausgesetzt,
dass
mindestens eine Konstante enthält.`` Dank dieser Voraussetzung
ist die Menge der Grundterme nicht leer und kann daher als
Universum dienen. (Das war der einzige Grund für die
Voraussetzung.)
Ab(c)=c für jedes 0-stellige Funktionssymbol c
von
.
Ab(f)(t1,...,tn)=f(t1,...,tn)
für alle Grundterme t1,...,tn
für jedes n-stellige (n≥1) Funktionssymbol f
von
.
Von den Bestandteilen einer Interpretation ist für Herbrand-Interpretationen also der überwiegende Teil von vornherein vorgegeben. Das Universum ist immer die Menge der Grundterme. Die Funktion Ab ist für Konstanten und Funktionssymbole immer so festgelegt, dass jeder Grundterm ,,mit sich selbst`` interpretiert wird. Das einzige, was einer Herbrand-Interpretation überhaupt noch an eigenen Definitionsmöglichkeiten offensteht, ist die relativ uninteressante Umgebung sowie die Definition der Funktion Ab für Relationssymbole.
Um letztere zu definieren, muss die Herbrand-Interpretation
festlegen, welche Relation, also welche Menge von Tupeln von
Grundtermen, jedem Relationssymbol zugeordnet ist. Wenn man vor ein
Tupel von Grundtermen das Relationssymbol schreibt, erhält man
ein Grundatom. Das, was eine Herbrand-Interpretation neben der
Umgebung überhaupt noch festlegen muss, lässt sich damit
bequem durch eine Menge B
von Grundatomen repräsentieren, also eine Teilmenge der
Herbrandbasis HB
.
Sei c eine fest gewählte Konstante von
,
und sei Uc die Umgebung, die jede Variable auf c abbildet.
bezeichnet die von B repräsentierte Herbrand-Interpretation mit
Umgebung Uc.
Ist M die von B repräsentierte
Herbrand-Interpretation mit einer beliebigen Umgebung U,
gilt mit dieser Definition für jedes Grundatom A, dass
M
A
gdw. A∈B. Somit erfüllt M also genau die Grundatome in B
und falsifiziert alle anderen Grundatome. Für jede andere Formel ist aufgrund der
Definition der Modellbeziehung dann ebenfalls festgelegt, ob M die Formel erfüllt oder
falsifiziert.
Da wir Herbrand-Interpretationen nur im Zusammenhang mit
geschlossenen Formeln betrachten werden, spielt die Umgebung nach
dem Koinzidenzsatz 3.5.10
keine Rolle. Durch Vorgabe der festen Umgebung Uc (die auch anders hätte
gewählt sein können und die für geschlossene Formeln
sowieso irrelevant ist) ist für jedes
B⊆HB
die Herbrand-Interpretation
eindeutig bestimmt. Umgekehrt bestimmt jede Herbrand-Interpretation
M eindeutig eine Teilmenge
BM={A∈HB
|
M
A}⊆HB
.
Wegen dieser eineindeutigen Entsprechung bezeichnet man
gelegentlich eine Menge von Grundatomen sogar selbst als eine
Herbrand-Interpretation bzw. ein Herbrand-Modell.
Es gilt stets M=M[U(x)/x], und wenn M eine Herbrand-Interpretation und somit U(x) ein Grundterm ist, gilt U(x)M=U(x), also M=M[U(x)M/x]. Damit sind 1. und 3. einfach Spezialfälle des Substitutionssatzes 3.5.12.
2. folgt aus 1. und weil t[U(x1)/x1]...[U(xn)/xn] ein Grundterm und somit gleich t[U(x1)/x1]...[U(xn)/xn]M ist.
Für beliebige Interpretationen übersetzt der Substitutionssatz zwischen einer Umgebung, die einer Variablen semantisch ein Objekt des Universums zuordnet, und einer Substitution, die eine Variable syntaktisch durch einen Term ersetzt. Der obige Satz zeigt, dass für Herbrand-Interpretationen, wo die Objekte des Universums Terme sind, Umgebungen und Substitutionen zusammenfallen. Die Vermischung von Syntax und Semantik bei Herbrand-Interpretationen ist hier also günstig, weil sie eine Vereinfachung bewirkt.
Satz 3.8.9 (3) anwenden.
Der Satz 3.8.10 gilt für Nicht-Herbrand-Interpretationen im allgemeinen nicht. Wir betrachten zwei Gegenbeispiele.
Hier ist der Satz deshalb verletzt, weil es nur einen einzigen Grundterm gibt, aber zwei Objekte im Universum, so dass das Objekt 2 des Universums durch gar keinen Grundterm repräsentiert ist. Man könnte vermuten, dass dieses Phänomen leicht zu vermeiden sei, sobald die Sprache Funktionssymbole enthält, denn dann gibt es ja unendlich viele Grundterme. Das nächste Beispiel zeigt aber, dass das Phänomen prinzipiell nicht vermeidbar ist.
Man kann zu jeder beliebigen Interpretation M auf natürliche Weise eine Herbrand-Interpretation konstruieren, die M weitgehend nachbildet.
Basisfall
oder
:
ergibt sich unmittelbar aus der Definition von
.
Basisfall Atom: da F quantorfrei und geschlossen ist, ist
F ein Grundatom, also gilt
M
F
gdw. F∈BM gdw.
F.
Induktionsfall Junktor: ergibt sich
unmittelbar durch Anwendung der Definition von
auf die Induktionsannahme.
Induktionsfall Quantor: tritt nicht auf, da F quantorfrei ist.
Wir zeigen durch vollständige Induktion über die
Anzahl n der Quantoren
in
:
wenn
, dann
Mit
erhalten wir
dann
F, was zu zeigen war.
Induktionsbasis n=0: Es gelte
.
Enthält
keinen Quantor, ist es eine quantorfreie geschlossene Formel, und nach 1. gilt
.
Induktionsschritt n→n+1: Enthält
n+1 Quantoren, hat es die Gestalt
.
Es gelte
,
also
.
Nach Definition bedeutet dies, wenn D das Universum
von M bezeichnet, dass für jedes d∈D gilt
.
Angenommen, es gäbe einen Grundterm t mit
, das heißt nach
Satz 3.8.9,
[t/x]. Nach dem Koinzidenzsatz 3.5.10 folgt daraus,
da
ist,
. Da die Formel
eine
geschlossene universelle Formel in Pränexform mit n Quantoren ist, können wir mit
der Induktionsannahme weiter folgern dass
.
Nach dem Substitutionssatz 3.5.12 müsste dann
gelten
,
im Widerspruch dazu dass für jedes d∈D gilt
.
Also gibt es keinen Grundterm t mit
,
das heißt, für jeden Grundterm t gilt
.
Das ist aber gerade die Definition von
,
also
.
Es mag verwundern, dass der zweite Teil dieses Satzes nur mit
,,wenn dann`` formuliert ist und nicht mit ,,genau dann wenn``.
Tatsächlich gilt die Gegenrichtung im allgemeinen nicht. Der
Grund sind genau die obigen
Beispiele 3.8.11 und
3.8.12.
Für die darin angegebene Interpretation M gilt jeweils
∀x p(x),
aber
.
Die Beispiele zeigen außerdem die Notwendigkeit der
Voraussetzung, dass F universell ist. In den Beispielen gilt jeweils
M
∃x ¬p(x),
aber
nicht
∃x ¬p(x).
Der Zusammenhang zwischen der Erfüllung einer Formel durch eine beliebige Interpretation und der Erfüllung der Formel durch die aus der Interpretation konstruierte Herbrand-Interpretation ist also nicht sehr stark. Trotzdem hat er weitreichende Konsequenzen.
Für die Formeln und Formelmengen mit den angegebenen syntaktischen Eigenschaften ist damit das eingangs motivierte Ziel erreicht. Zum Nachweis der Folgerungsbeziehung reicht es wegen der letzten beiden Ergebnisse aus, die Überprüfung auf Herbrand-Interpretationen und damit auf ein einziges Universum zu beschränken.
Übrigens hätte die Motivation in der Einleitung zu Abschnitt 3.8 nicht unbedingt auf der Folgerungsbeziehung aufgebaut werden müssen. Eine analoge Motivation wäre auch mit der Erfüllbarkeit oder einem anderen der semantischen Begriffe möglich gewesen. Die ersten Ergebnisse des Satzes zeigen, dass das Ziel auch für diese anderen semantischen Begriffe jetzt erreicht ist: zum Nachweis der jeweiligen semantischen Eigenschaft müssen nicht mehr sämtliche Interpretationen betrachtet werden, sondern nur noch die Herbrand-Interpretationen, jedenfalls für Formeln und Formelmengen mit den angegebenen syntaktischen Eigenschaften.
Sei S eine Menge von geschlossenen universellen Formeln in Pränexform. Die Menge der Grundinstanzen von S ist die Vereinigung der Mengen von Grundinstanzen der Formeln in S.
Aus Satz 3.8.10 folgt unter Zuhilfenahme von Satz 3.8.14 unmittelbar ein weiteres Ergebnis mit sehr weitreichenden Konsequenzen, auf die Kapitel 4 näher eingehen wird.
In diesem Abschnitt zeigen wir, dass zu jeder endlichen Menge S von (beliebigen) geschlossenen Formeln eine Menge S* von universellen geschlossenen Formeln konstruiert werden kann, so dass S* genau dann ein Modell hat, wenn S ein Modell hat. Dieses Ergebnis reicht aus, um die Folgerungsbeziehung für beliebige Formeln durch die Überprüfung von Herbrand-Interpretationen nachweisen zu können. Das Verfahren, mit dem S* aus S konstruiert wird, nennt man Skolemisierung.
Der genaue Zusammenhang zwischen S und S ist
allerdings etwas komplizierter. Die Menge S
enthält
-Formeln
für eine gegebene Sprache
der Prädikatenlogik erster Stufe. Diese Sprache wird
zunächst um zusätzliche Funktionssymbole erweitert zu
einer Sprache
*. Die Menge S
besteht dann aus
*-Formeln.
Man muss deshalb auch zwischen
-Interpretationen und
*-Interpretationen unterscheiden. Das ist der wesentliche
Grund, dass S und
S nicht einfach logisch
äquivalent sind. Aber die Beziehung zwischen den Modellen von
S (bezüglich
)
und den Modellen von S
(bezüglich
*) wird sich
als sehr viel enger erweisen, als es für
das obengenannte Gesamtergebnis erforderlich ist.
Um die Grundidee der Skolemisierung informell zu verstehen, betrachten wir noch einmal die Axiome einer Boole'schen Algebra nach Definition 3.2.1.
Das erste Axiom verlangt unter anderem, dass es ein neutrales
Element für die Operation
gibt.
Die unmittelbare Übersetzung dieser
Forderung ergäbe folgende Formel der Prädikatenlogik
erster Stufe: ∃y∀x
(y
x
x).
Tatsächlich wurde das Axiom aber so formuliert, dass die
entsprechende Formel der Prädikatenlogik erster Stufe lautet:
∀x(1
x
x). Das als existent
geforderte Element wurde also durch eine Konstante
repräsentiert statt durch eine existentiell quantifizierte
Variable.
Das letzte Axiom verlangt unter anderem, dass es zu jedem
Element ein komplementäres Element bezüglich der
Operation + gibt. Diese
Forderung lässt sich darstellen durch die Formel
∀x∃y
(x+y
1), aber auch durch
die Formel ∀x
(x+‾x
1). Dabei ist
‾ ein Funktionssymbol, das für eine Funktion stehen soll, die zu jedem x ein
komplementäres Element liefert.
Ein als existent gefordertes Objekt kann also statt durch eine existentiell quantifizierte Variable auch durch einen Term repräsentiert werden, der mit einem Funktionssymbol gebildet ist. Die Unterterme in diesem Term repräsentieren Objekte, von denen das als existent geforderte abhängt. Im ersten Beispiel bestand so eine Abhängigkeit nicht, so dass der Term mit einem nullstelligen Funktionssymbol, also einer Konstanten, gebildet wurde.
Die Skolemisierung benutzt dieses Prinzip, um systematisch alle Existenzquantoren positiver Polarität und Allquantoren negativer Polarität zu beseitigen und dadurch zu universellen Formeln zu gelangen.
Um die entsprechenden Ergebnisse beweisen zu können, benötigen wir als Hilfsmittel einige Varianten des Ersetzungssatzes.
| 1. | Wenn VG1 positiv in F | und G1 |
dann F |
||||
| 2. | Wenn VG1 positiv in F | und G2 |
dann F〈G2,
VG1〉 |
||||
| 3. | Wenn VG1 negativ in F | und G1 |
dann F〈G2,
VG1〉 |
||||
| 4. | Wenn VG1 negativ in F | und G2 |
dann F |
Bei Ersetzung eines Vorkommens einer Teilformel
überträgt sich also die Folgerungsbeziehung von der
Teilformel auf die Gesamtformel, sofern das Vorkommen positive
Polarität hat. Hat das Vorkommen negative Polarität,
überträgt sich die Folgerungsbeziehung in
entgegengesetzter Richtung auf die Gesamtformel. Hat ein Vorkommen
sowohl positive als auch negative Polarität,
überträgt sich die Folgerungsbeziehung im allgemeinen
weder in die eine noch in die andere Richtung. Sei zum Beispiel
G1=(p∧q) und G2=(p∨q),
dann gilt G1
G2. Sei
F=((p∧q)⇔¬q), dann ist
F〈G2, VG1〉=((p∨q)⇔¬q).
Man rechnet leicht nach, dass sowohl F als auch F〈G2, VG1〉
ein Modell haben, dass aber keine Interpretation beide
Formeln erfüllt, so dass die Folgerungsbeziehung in keiner
Richtung besteht.
Der Ersetzungssatz 3.3.6 und 3.5.13 ist ein Spezialfall dieses allgemeineren Ersetzungssatzes für Folgerungen.
Wofür ist diese Verallgemeinerung erforderlich? Insgesamt wird es darum gehen, dass eine ,,große`` Formel F gegeben ist. Darin kommt eine ,,kleine`` Teilformel vor, die mit einem störenden Quantor beginnt. Wenn man diese Teilformel durch eine andere ,,kleine`` Formel ersetzt, in der der störende Quantor beseitigt ist, entsteht die ,,große`` Formel F'.
F = (... QxG ...)
∇
F' = (... G' ...)
Ein späterer Satz (Satz 3.8.20) wird belegen, dass zwischen den Formeln QxG und G' Folgerungsbeziehungen bestehen, die von den Polaritäten abhängen. Der Ersetzungssatz für Folgerungen dient dazu, diese Folgerungsbeziehungen von den Teilformeln auf die ,,großen`` Formeln zu übertragen wie folgt.
Wenn die Teilformel QxG positiv in F ist, hat sie die Gestalt ∃xG.
| Satz 3.8.20 (2) garantiert: |
![]() |
| Satz 3.8.17 (2) sagt, dass daraus folgt: |
| + F = (... ∃xG ...) ? F' = (... G' ...) |
Wenn die Teilformel QxG negativ in F ist, hat sie die Gestalt ∀xG.
| Satz 3.8.20 (3) garantiert: |
![]() |
| Satz 3.8.17 (3) sagt, dass daraus folgt: |
| - F = (... ∀xG ...) ? F' = (... G' ...) |
In beiden Fällen gilt also F'
F.
Wird ein Existenzquantor positiver
Polarität oder ein Allquantor negativer Polarität durch
Skolemisierung beseitigt, so folgt in jedem Fall die
ursprüngliche Formel F aus der neuen Formel F' - wenn
Satz 3.8.20
bewiesen ist. (Es ist übrigens Absicht, dass gemeinsam
benutzte Unterfälle der beiden Sätze jeweils die gleiche
Nummer (2) bzw. (3) haben. Das gilt auch für die weiteren
Sätze mit Unterfällen.)
Die Gegenrichtung F
F' gilt nicht.
Wir streben eine abgeschwächte Gegenrichtung an: dass man zu jedem M mit
M
F ein M'
konstruieren kann mit M'
F und
M'
F'.
Als Vorbereitung für diese abgeschwächte Gegenrichtung
zunächst eine Betrachtung zur Folgerungsbeziehung. Für
zwei Formeln G1 und G2 gilt
G1
G2 gdw.
für jedes M gilt M
(G1 ⇒ G2). Das ergibt
sich direkt aus den Definitionen. Wenn
M
(G1 ⇒ G2)
nicht für jedes M gilt, sondern nur für gewisse M, kann man von einer Art schwacher Folgerungsbeziehung
sprechen.
Bei der obigen Ersetzung gilt in der Gegenrichtung nicht die Folgerungsbeziehung zwischen QxG und G'. Man kann aber zu jedem Modell M von F ein anderes Modell M' von F so konstruieren, dass diese schwache Folgerungsbeziehung zwischen QxG und G' besteht.
Betrachten wir zunächst nur den Fall, dass die Teilformel positiv in F ist.
| M' |
M' |
||||
| M | F | = (... | ∃xG+ | ...) | |
| F' | = (... | G' | ...) |
Das nächste Ziel ist jetzt, diese schwache
Folgerungsbeziehung von den Teilformeln auf die ,,großen``
Formeln zu übertragen. Wenn man aus der obigen Situation
schließen kann, dass auch M'
(F⇒F') gilt, dann
gilt auch M'
F'.
Insgesamt hätte man damit die angestrebte Aussage, dass zu
jedem Modell M von F ein Modell M' von F'
konstruiert werden kann, das auch ein Modell von
F' ist.
Leider lässt sich diese schwache Folgerungsbeziehung nicht
für völlig beliebige M' von den Teilformeln auf die ,,großen`` Formeln
übertragen. Wenn die Beziehung
M'
(∃xG⇒G')
davon abhängt, welche Umgebung die Interpretation benutzt,
dann gilt nicht immer auch
M'
(F⇒F').
Die Übertragung klappt aber für Interpretationen, die völlig unabhängig von den Umgebungen sind. Dafür brauchen wir eine Schreibweise.
Die nächste, noch allgemeinere, Variante des
Ersetzungssatzes erlaubt die angestrebte Übertragung auf die
,,große`` Formel, wenn M' so ist, dass für jede Umgebung U
gilt M'[U]
(∃xG⇒G').
Dann gilt auch für jedes U, dass
M'[U]
(F⇒F').
Auch für die schwache Folgerungsbeziehung dreht sich also die Richtung um, wenn sie von einer Teilformel negativer Polarität auf die ,,große`` Formel übertragen wird.
Hier noch ein Gegenbeispiel zum interpretationsspezifischen
Ersetzungssatz, wenn die Modellbeziehung von der Umgebung
abhängt:
Sei G = p(x,x) und G' = p(x,y)
Sei F = ∀x ∀y p(x,x) und F' = F[G'/G] = ∀x ∀y p(x,y).
Es gibt eine Interpretation M = (D,Ab,U) mit
M
(G ⇒ G'),
nämlich D=N und Ab(p)=≤N und U(x)=U(y)=5. Die schwache
Folgerungsbeziehung zwischen G und i>G' besteht also nur deswegen, weil x und y in der
Umgebung U denselben Wert haben. Aber für dieses M gilt
, da
M
∀x ∀y p(x,y)
aber
. Die
schwache Folgerungsbeziehung überträgt sich also nicht
auf die ,,großen`` Formeln.
Die Interpretationen, die mit Satz 3.8.20 konstruiert werden, hängen nicht von der Umgebung ab, deshalb kann Satz 3.8.19 darauf angewandt werden.
Das Gesamtbild für die noch offene Gegenrichtung ist wie folgt.
| Satz 3.8.20 (1) garantiert: |
| für jede Umgebung U gilt |
![]() |
| Satz 3.8.19 (1) sagt, dass daraus folgt: |
| für jede Umgebung U gilt |
![]() |
| Satz 3.8.20 (4) garantiert: |
| für jede Umgebung U gilt |
![]() |
| Satz 3.8.19 (4) sagt, dass daraus folgt: |
| für jede Umgebung U gilt |
M ⇓ F' = (... G' ...) |
In beiden Fällen bedeutet die Übertragung, dass für jede Umgebung U gilt. Also gilt auch . Wie oben erläutert, ist damit aus dem Modell M von F ein Modell M' von F und auch von F' konstruiert.
Nun aber zu dem angekündigten Satz, von dem alle obigen Schemata abhängen.
Sei U eine beliebige D-Umgebung.
Falls
, gilt
M'[U]
(∃xG⇒G')
nach Definition von
.
Falls M'[U]
∃xG,
ist f(y1,...,yn nach
Konstruktion ein Term mit M'[U][f(y1,...,yn)M'/x]
G, und nach dem
Substitutionssatz 3.5.12 gilt
M'[U]
G[f(y1,...,yn/x],
also M'[U]
G'. Nach
Definition von
gilt dann auch
M'[U]
(∃xG⇒G').
Sei U eine beliebige D-Umgebung.
Falls M'[U]
∀xG, gilt
M'[U]
(G'⇒∀xG).
nach Definition von
.
Falls
, ist
f(y1,...,yn) nach Konstruktion ein Term mit M'[U][f(y1,...,yn)M'/x]
nicht
G, und nach
dem Substitutionssatz 3.5.12 gilt
y1,...,yn)/x], also
M'[U]nicht
G'.
Nach Definition von
gilt dann auch M'[U]
(G'⇒∀xG).
Die Formeln ∃xG und G' (bzw. G' und ∀xG) sind also nicht logisch äquivalent, aber fast. In der einen Richtung gilt die Folgerungsbeziehung immer. In der anderen gilt sie nicht immer, weil manche Interpretationen das Funktionssymbol f mit einer ,,unpassenden`` Funktion interpretieren können. Da nach Voraussetzung f nicht in G vorkommt, kann man in diesen Fällen aber immer eine ,,passende`` Definition für f angeben, ohne irgend etwas anderes an der Interpretation zu ändern, so dass die Folgerungsbeziehung bezüglich dieser ,,angepassten`` Interpretationen auch in der Gegenrichtung gilt.
Durch vollständige Induktion über die Anzahl k der Vorkommen von Quantoren falscher Polarität, also von Existenzquantoren positiver Polarität in F und von Allquantoren negativer Polarität in F.
Induktionsbasis k=0: Dann ist F universell, und die Behauptung gilt für
*=
und F*=F.
Induktionsschritt k→k+1: Die Behauptung gelte für
Formeln mit k Vorkommen
von Quantoren falscher Polarität. Sei F eine
-Formel mit k+1
solchen Vorkommen und sei VQx G eines davon.
Falls x∉fvar(G), sei F'=F〈G/VQx G〉. Nach den Regeln der
überflüssigen Quantoren (Satz 3.5.13) gilt
Qx
G,
also F
F'.
Die Formel F' enthält k Vorkommen
von Quantoren falscher Polarität. Die Behauptung ergibt sich
direkt aus der Induktionsannahme.
Andernfalls sei fvar(G)={x,y1,...,yn}. Sei
f ein n-stelliges Funktionssymbol, das nicht zu der
Sprache
gehört, und sei
'
die Erweiterung von
um
f. Sei G'=G[f(y1,...,yn)/x] und
F'=F〈G/VQx G〉. Dann ist F' eine
geschlossene
'-Formel.
Mit den vorigen Sätzen gilt F'
F,
im positiven Fall nach Satz 3.8.20 (2) und
Satz 3.8.17 (2),
im negativen Fall nach Satz 3.8.20 (3) und
Satz 3.8.17 (3).
Zu jeder
-Interpretation M
mit
gibt es, im
positiven Fall nach Satz 3.8.20 (1) und
Satz 3.8.19 (1), im negativen Fall nach
Satz 3.8.20 (4) und
Satz 3.8.19 (4),
eine
'-Interpretation
M', deren Restriktion auf die Symbole von
gleich M ist, so dass für jede D-Umgebung U
gilt M'[U]
(F⇒F'). Da
F und damit auch F' geschlossen ist, gilt nach dem
Koinzidenzsatz 3.5.10 auch
M'
(F⇒F').
Wegen M
F
gilt auch M'
F
und nach Definition von
auch M'
F'.
F' ist eine geschlossene
'-Formel
mit kQuantorvorkommen falscher Polarität. Der Rest ergibt sich
unmittelbar aus der Induktionsannahme.
Bei der Skolemisierung einer Formel nach der Konstruktion in diesem Beweis werden falsch quantifizierte Variablen der Reihe nach durch Terme ersetzt, die mit neu eingeführten Funktionssymbolen, sogenannten Skolem-Funktionssymbolen, gebildet werden. Eine aus F durch Skolemisierung gewonnene universelle Formel nennt man eine Skolemform von F. Die mit den Skolem-Funktionssymbolen gebildeten Terme kann man als eine Umbenennung der Objekte auffassen, deren Existenz in der Formel gefordert wird.
Die Skolemform ist nicht eindeutig, da sie von der Reihenfolge abhängt, in der die Quantoren falscher Polarität ersetzt werden. Zum Beispiel sei F die geschlossene Formel ∀u ∃v ∃w p(u,v,w). Ersetzen wir zuerst ∃v und dann ∃w, entsteht zuerst ∀u ∃w p(u,f(u),w) und dann ∀u p(u,f(u),g(u)). Letzteres ist eine Skolemform von F. In der anderen Reihenfolge entsteht erst ∀u ∃v p(u,v,h(u,v)), dann ∀u p(u,k(u),h(u,k(u))). Letzteres ist auch eine Skolemform von F.
Es gibt verschiedene Verfahren, um eine Skolemform aus einer Formel zu gewinnen. Neben der Festlegung der Reihenfolge der Ersetzungen kann man auch festlegen, dass vor den Ersetzungen zunächst die Quantoren in der Formel verschoben werden. Am einfachsten zu verstehen ist die Skolemisierung, wenn man die Formel zunächst in eine Pränexform umwandelt. Um die Komplexität der neuen Terme gering zu halten, ist es dagegen günstiger, die Quantoren zunächst möglichst weit nach innen zu ziehen und eine sogenannte Antipränexform oder Miniscope-Form herzustellen.
Die Voraussetzung des obigen Satzes, dass jedes Quantorvorkommen eine eindeutige Polarität hat, lässt sich mit der Regel zur Auflösung des Äquivalenzjunktors (Satz 3.5.13 und Satz 3.3.7) immer herstellen. Also gilt:
Zwischen S und sko(S) gibt es eine Bijektion, so dass jedem F∈S eineindeutig eine Formel sko(F)∈sko(S) zugeordnet ist.
Ist S endlich, so ist
eine
Erweiterung von
um
endlich viele Funktionssymbole.
Kombiniert mit Satz 3.8.14 ergibt sich daraus die Lösung für das Gesamtziel dieses Abschnitts: alle semantischen Begriffe auf Herbrand-Interpretationen zurückzuführen.
Aus Satz 3.8.21 folgt ein klassisches Ergebnis.
Sei
eine Sprache der PL1S, und sei F eine geschlossene
-Formel,
die erfüllbar ist. Nach den Regeln zur
Auflösung des Äquivalenzjunktors
(Satz 3.3.7 (8))
gibt es eine geschlossene
-Formel F' mit
F
F',
in der jedes Quantorvorkommen eine eindeutige Polarität hat.
Nach Satz 3.8.21 gibt es eine Erweiterung
*
von
um
endlich viele Funktionssymbole und eine geschlossene universelle
*-Formel F', so
dass F*
F' und
F* erfüllbar ist (ergibt sich unmittelbar aus Teil (2) von
Satz 3.8.21). Nach
Satz 3.8.14, da F*
universell und erfüllbar ist, wird F* von einer Herbrand-Interpretation M
erfüllt. Da F*
F, erfüllt
M auch F.
Das Ergebnis folgt daraus, dass nach Definition 2.3.1 ein Herbrand-Universum höchstens abzählbar ist.
Jede Menge von geschlossenen Formeln einer Sprache erster Stufe mit Gleichheit, die ein Modell mit unendlichem Universum besitzt, besitzt auch ein Modell, dessen Universum mindestens so groß wie jede beliebige Menge ist.
Satz 3.8.25 wird durch den ,,absteigenden Satz von Löwenheim und Skolem`` verallgemeinert:
Jede erfüllbare Menge von geschlossenen Formeln einer Sprachemit Gleichheit besitzt ein Modell, dessen Universum nicht größer als die Menge der
-Formeln ist.
Aus diesem Satz folgt, dass die Überabzählbarkeit in der PL1S nicht ausdrückbar ist. Dies hat schwerwiegende Folgen in der Mathematik, in der überabzählbare Mengen wie z.B. ℜ eine zentrale Rolle spielen. Für die praktische Informatik ist diese Einschränkung aber nicht so bedeutsam, weil die Informatik vorwiegend höchstens abzählbare Mengen untersucht.